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Sonntag, 6. September 2009

In diesem Winter

Winter

Hier kommt ein Text,den ich schon vor Jahren geschrieben habe, der mir jetzt wieder untergekommen ist und frisch bearbeitet wurde.
Hoffentlich kein Vorgeschmack auf den kommenden Winter ;-)


In diesem Winter

Es ist Oktober. Sie sind gemeinsam auf einer Feier eingeladen und als sie sich um vier Uhr früh auf dem Heimweg machen, tanzen dicke Flocken vom Himmel. Der erste Schnee. Sie vergraben ihre Hände in einer gemeinsamen Manteltasche, sie spazieren kichernd und leicht betrunken nach Hause. Beide versuchen Schneeflocken mit ihrem Mund aufzufangen.
Im Advent stehen sie gemeinsam vor dem Fenster und sehen zu wie die Schneeflocken fallen. Er steht hinter ihr, umarmt ihren Bauch und gibt einen Kuss auf den Hals.
Und dann kurz vor Weihnachten, fällt wieder Schnee. Sie ist mit Tränen in den Augen auf dem Weg nach Hause. Es schneit eisige Flocken vom Himmel und sie fragt sich, wie das passieren konnte. Seit dem ersten Schnee und seit dem Advent und sie verflucht den Schnee. Die Stadt glänzt in festlichen Lichtern. Ihr Herz verkrampft sich, wenn sie ‚Last Christmas’ in einem Kaufhaus hört. Sobald es schneit, versteckt sie sich hinter einem Bildschirm.
Und dann irgendwann gibt es den letzten Schnee. Es beginnt Frühling zu werden. Primeln wachsen. Und es schneit. Abends. Und sie steht wieder alleine vor dem Fenster, wie alle die Jahre zuvor und denkt an den ersten Schnee. In diesem Winter.

Samstag, 15. August 2009

Das Wetter stört ihn nicht

wasser

Das Wetter stört ihn nicht, sagt er und verschwindet in der Umkleidekabine. Die Farbe des Himmels kann sich nicht zwischen grau und hellblau entscheiden. Die Wolken hängen tief über den Bergen, der See ist grüngrau und zeigt kleine Wellen vom Wind.
Sie setzt sich ins Strandcafe. Sie trägt Turnschuhe, ihren schönen, schwarzen Mantel und die geräumige Tasche, die sich in der Stadt als so praktisch erwiesen hat, hier aber etwas deplaziert wirkt. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht würde sie hier als Badetasche durchgehen.
Er kommt aus der Umkleidekabine. Er trägt nun eine dunkelblaue Badehose. Die Biker vom Nachbartisch drehen sich nach ihm um und murmeln. Er trinkt stehend aus dem Glas, das sie inzwischen bestellt hat, setzt die Schwimmbrille auf den Kopf und geht barfuss über die Wiese davon.
Ihr fröstelt. Auf der halben Strecke zwischen ihr und dem See beginnt er mit dem rechten Arm zu kreisen. Er wärmt sich auf, er denkt jetzt an den See und nicht mehr an mich. Dann kreist er mit dem linken Arm.
Sie nimmt die Zeitung aus ihrer Tasche und beginnt zu lesen. Zwischendurch hebt sie den Kopf und sieht auf den See. Sie kann nicht über den ganzen See sehen, ein Klettergerüst versperrt ihr den Blick. Er ist nirgends erkennbar.
Sie fischt ein Halstuch aus der Tasche. Der Wind ist stärker geworden. Sie liest weiter, die Biker lesen sich die Texte auf den Zuckerpackerl gegenseitig vor. Es geht um die Eigenschaften von Sternzeichen. Die Biker lachen. Sie trinkt einen Mangosaft gespritzt, ein Getränk, dass er üblicherweise immer bestellt.
Sie kann keinen Badewart entdecken. Heute sind nur Jogger, Spaziergänger, Inlineskater, aber keine Schwimmer unterwegs. Irgendwer würde ihn sehen, wenn ihm etwas passieren würde. Sie freut sich auf die Blicke der Biker, wenn er tropfend nass aus dem See steigen wird. Die Kellnerin wird lächeln und sich beeilen ihm heiße Schokolade zu bringen.

Dienstag, 14. April 2009

Indien Teil 3: 'Zwei Leben'

weg-aus-indien

Ein Buch dass ich schon vor längere Zeit gelesen habe, ist von Vikram Seth „Zwei Leben – Portrait einer Liebe“. Der Autor erzählt die Geschichte seines Onkels Shanti und dessen Frau Henny. Das Paar war kinderlos und hat in London gelebt, wo der Autor während seiner Studienzeit leben durfte. Nach beider Tod schreibt er ihr Geschichte nieder.
Shanti wurde in Indien geboren, kam für sein Zahnedizinstudium nach Berlin, wo er Henny kennen lernte. Sie war eine Jüdin, die dann im Zweiten Weltkrieg nach England flüchten musste. Ihre Mutter und ihre Schwester wurden deportiert. Shanti erlebte den Krieg als Soldat, verlor eine Hand, blieb aber in Kontakt mit Henny. Nach dem Krieg zog er ebenfalls nach London. Nach langer platonischen Bekanntschaft, heiratetet er Henny schließlich. Shanti eröffnete einarmig eine Zahnarztpraxis.

Der Roman beschreibt das Leben dieser zwei Menschen nicht nur im Text, sondern auch anhand von Fotos und Briefen. Die Figuren sind nicht idealisiert, Henny wird als eher kühle Frau dargestellt und die Schrullen des alten Onkels werde auch nicht verborgen. Die Geschichte ist wirklich schön zu lesen, allerdings auch recht traurig. Der Erzählton ist liebevoll, der Stil ist hingegen trocken und reportagenhaft.
Indien kommt sehr wenig vor, aber die Figuren haben den indischen Hintergrund und die große indische Familie die immer wieder zu Besuch kommt und die kühle Henny etwas befremdet.

Samstag, 11. April 2009

Indien Teil 2: Thomas Mann imaginiert ein moralisches Indien

toilettenaufklaerung

Wovon ihr aber die Finger lassen solltet, wenn ihr auch nicht aufregen wollt, ist eine Erzählung von Thomas Mann mit dem Titel 'Vertauschte Köpfe- Eine indische Legende', die ich ebenfalls nicht fertig gelesen habe.
Wenn Thomas Mann moralisch wird, ist er einfach nicht auszuhalten. Pathosumschwängert stellt er schwarze und weiße Figuren da, die Versuchungen ausgesetzt werden, denen die weißen dann widerstehen, die schwarzen aber nicht. Wenn er versucht theoretischer Gedankenmodelle auf Figuren zu projizieren geht sich das nie aus und wird sterbens langweilig. Ein Beispiel gefällig? Der erste Satz:

Die Geschichte der schönhüftigen Sita, Tochter des aus Kriegerblut stammenden Kuhzüchters Sumantra, und ihrer beiden Gatten (wenn man so sagen darf) stellt, blutig und sinnverwirrend wie sie ist, die höchste Anforderung an die Seelenstärke des Lauschenden und an sein Vermögen, den grausamen Gaukeleien der Maya des Geistes Spitze zu bieten.

Bei sinnverwirrend stimme ich ihm zu, denn was haben die Mayas in der indischen Legende zu suchen?

Brilliant ist Mann, wenn reale Menschen in Figuren übersetzt und Handlungen beschreibt. Er ist eben ein Handwerker, aber ein guter, aber kein Kreativer. Dazu empfehle ich von Katia Mann, der Frau von Thomas die nie geschriebene Autobiographie, aber Hände weg von den Thomas Mannschen Erzählungen, in den Romanen kann man ja die 'moralischen' Passagen überfliegen oder überblättern, die die Erzählungen bestehen leider meist nur aus eingekochter Moral.

Mittwoch, 25. März 2009

Indien Teil 1: Bombay - Mumbai

mumbai-bucht

Wie der geneigte Blogleser weiß, kann maison an indischen Bücher schwer vorbeigehen und meist wird die herb enttäuscht, wie von ‚Gottes kleiner Krieger’ (siehe letzter Eintrag). Aber in letzter Zeit gab es auch zwei Bücher, die mich sehr erfreut haben.

Zum einen 'The white Tiger' von Aravind Adiga. Das Werk hat den Man Booker Prize gewonnen und die Bookerprize Empfehlungen nehme ich gerne ernst. Das ist eine sauber gemachte, extrem unterhaltsame Geschichte eines Emporkömmlings aus dem Dorf, der die Chance bekommt in Mumbai als Fahrer eines wichtigen Mannes zu arbeiten, den er dann tötet und sich mich dem Geld in Bangalore selbständig macht. Für ein Erstlingswerk ist es in erstaunlicher Qualität geschrieben.

Dazu passt das zweite Buch, das ich im Moment lese: ‚Bombay, Maximum City’ von Suketu Mehta. Es scheint fast so, als wäre das Buch die Recherchegrundlage für den weißen Tiger gewesen. Es ist eine fette Reportage über die wahnsinnige indische Metropole. Ich bin zwar noch nicht einmal bei der Hälfte, doch das Buch hat mich so dermaßen gefangen. Wenn ich darin lese, meine ich die Luftverschmutzung die Bedrohung, die Lust dieser Stadt zu spüren. Der Autor hat es als heimkehrender Auslandinder geschrieben, um sich seiner Geburtstadt wieder anzunähern und hat es nicht gescheut in all die dunklen Ecken und Untergründe der Stadt zu blicken. Bandengangster beschreiben ihm Auftragsmorde, Polizisten ihm Foltermethoden und Tötungsverfahren und Unternehmer tun auf feinen Party so, als ob sie noch niemals mit Erpressung und Schutzgeldzahlungen zu tun gehabt haben, um den Autor später im Stillen zu fragen, wo sie denn eine Pistole her bekommen könnten. Junge Mädchen träumen vom Film und arbeiten als Tänzerin, erfolgreiche Geschäftsleute entscheiden sich für ein Leben in Armut, andere setzen sich an Dubai ab, wenn ihnen Bombay kurzfristig zu heiß wird. Man versteht vor welchen religiösen Hintergrund die Anschläge, wie sie kürzlich auf das Taj und das Obrroi Hotel stattgefunden haben, situiert sind. Die beiden Hotels stehen für den absoluten Luxus. Wenn ein Inder dort essen geht, so hat er es geschafft, so gehört er dazu.

Interessant ist, dass beide Autoren im Westen studiert haben und erst von dieser Perspektive über ihr Land schreiben. Für beide Werke kann ich nur die wärmste Empfehlung aussprechen.

Samstag, 7. März 2009

Was seither geschah...

briefkasten

für S., die Serienliebhaberin

Ich habe den Sommer mit der letzten Serie im Herbst beendet und seither schien es so, als würde ich nichts mehr tun. Aber das Gegenteil was der Fall. Ich habe soviel getan, dass ich keine Zeit mehr hatte es festzuhalten. Was ist also passiert? Ich habe minimal abgenommen, ich trinke weniger, ich mache regelmäßig Sport und ich bin viel ruhiger geworden.
Das hört sich an, als ob alle meine guten neuen Jahresvorsätze in die Tat umgesetzt wurden. Alle- bis auf einer: mehr schreiben. Der ist mir noch nicht gelungen. Obwohl ich seit kurzem einen neuen Computer besitze, so einen kleinen weißen, den ich nicht 'Schatzi' nennen darf, weil sonst jemand, den ich wie ein Tier nenne, beleidigt wäre. Also nenne ich ihn 'meinen kleinen, weißen Computer' und denke noch immer als 'Schatzi' an ihn, weil ich einen Menschen ohnehin nicht ernsthaft 'Schatzi' nennen würde. Die Idee war also 'Schatzi' immer und überall dabei zu haben, um schnell mitschreiben zu können, falls einem die Muse überfällt. Doch wie ich mittlerweile weiß, lebt die Muse einzig von der Zeit und fährt nicht wie die Autorin auf ein neues, süßes Gerät ab.
Die Muse will also Zeit zum Nachdenken, sie will am liebsten irgendwo faul herumliegen und auf Gedanken kommen, die sie dann der Autorin in relativ kurzer Zeit diktiert. Die Zeit zum Schreiben würde die Autorin schon finden, problematisch ist die Forderung der Muse nach toter Zeit, ja fast nach Langeweile. Die kann ich ihr momentan leider nicht so üppig bieten.
(Dieser hier vorliegende Text wurde gesponsert von Erkältung und tagelangem Regen.)

Ich dachte immer, das ist einfach so ein Spruch der alten Leute, dass die Zeit immer schneller vergeht. Leider stimmt das wirklich. Je älter man wird desto schneller verfliegt sie. Man muss Prioritäten zu setzten. Man kann nicht alles haben. Es hilft nichts.
Was ich also diesen Winter gelernt habe ist, dass ich Bücher die mich ärgern oder die ich wirklich extrem mies finde, nicht auslesen muss. Ich bin ganz stolz auf mich, dass ich A.L. Kennedies ‚Alles was du brauchst’ und ‚Gottes kleiner Krieger’ von Kiran Nagarkar weggegeben habe, ohne nur die Hälfte zu lesen.

PS: Maison fahrt heute in einer Woche auf Urlaub, um die Muse ein wenig zu füttern. Ich muss mich zu diesem Anlass mit neuer Literatur eindecken. Hat der geschätze Blogleser /die geschätze Blogleserin -sofern es diese seltenen Exemplare noch gibt- Empfehlungen für mich?

Freitag, 26. September 2008

Was ich diesen Sommer gelernt habe -Ende

damals

Der Sommer ist erst nach dem Urlaub vorbei, auch wenn die Blätter bereits fallen und man sich die Nasenspitze abfriert.

Damit beende ich die Sommerserie. Für mich beginnt ab Montag der Herbst.

Mittwoch, 24. September 2008

Was ich diesen Sommer gelernt habe -Teil 7

flieger

Das Sms des Sommers kam am 3.8. um 5:12:
"You can only get what you want!"

Ein Rat der lieben C. als Antwort auf den Rolling Stones Song.

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maison

maison ist weiblich, 32 jahre alt und lebt in wien. sie schreibt seit 2003. (la maison= französisch: haus) email: privatliteratur@yahoo.com

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